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Ernährungsverhalten

Wissenschaftlich verantwortlich: Dr. Ute Alexy

 

Im Bereich Ernährungsverhalten werden die Verzehrsdaten der DONALD Studie erhoben und zu grundsätzlichen und aktuellen Forschungsfragen ausgewertet. Thematischen Schwerpunkte sind die Beschreibung moderner Ernährungsgewohnheiten, Alters- und Zeittrends beim Lebensmittelverzehr und der Nährstoffzufuhr bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen sowie Expositionsschätzungen.

 

Bedeutung kommerzieller Beikost für das Ernährungsverhalten

Neben angeborenen Geschmackspräferenzen spielen auch die frühen sensorischen Erfahrungen im Säuglingsalter eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von individuellen Lebensmittelvorlieben und somit dem Ernährungsverhalten. Mit Einführung von Beikost während des Abstillens steigt das Spektrum der erlebten Geschmäcker und Konsistenzen an. In der DONALD Studie wurde jetzt untersucht, ob die Herstellungsart der Beikost, d.h. selbstgekocht oder kommerziell – für die Formung der späteren Lebensmittelpräferenzen eine Rolle spielt. In einer ersten Auswertung konnte gezeigt werden, dass kommerzielle Beikost in der Säuglingsernährung dominiert, besonders bei Säuglingen mit einer kürzeren Stilldauer deren Mütter einen niedrigeren Bildungsstatus haben. Kommerzielle und selbst gekochte Beikost zeigten gegensätzliche, nicht lineare Alterstrends, allerdings konnte kein Zeittrend im beobachteten Studienzeitraum (2004 – 2012) gefunden werden. In einer zweiten Auswertung war ein höherer Anteil kommerzieller Beikost mit einem niedrigeren Gemüseverzehr im Säuglingsalter assoziiert. Prospektiv zeigten nur Jungen eine inverse Assoziation zwischen einem höheren kommerziellen Beikostanteil und einem niedrigeren Gemüseverzehr im Vorschul- sowie einem niedrigeren Gesamtobst- und Gemüseverzehr im Vor- und Grundschulalter. Bei Mädchen konnten keine signifikanten prospektiven Zusammenhänge beobachtet werden. Eine dritte Studie konnte zeigen, dass Säuglinge mit einem höheren Anteil kommerzieller Beikost eher ein hohe Zufuhr zugesetzter Zucker aus Beikost sowie eine insgesamt höhere zugesetzte Zuckerzufuhr aufwiesen. Der Verzehr kommerzieller Beikost im Säuglingsalter war auch positiv mit der Zufuhr zugesetzter Zucker im Vor- und Grundschulalter assoziiert. Wurde allerdings für die Zufuhr zugesetzter Zucker im Säuglingsalter adjustiert, war dieser Zusammenhang nicht mehr signifikant. Das bedeutet, dass wahrscheinlich eher die Zufuhr zugesetzter Zucker als solches und nicht die Darreichungsform (kommerzielle /selbst hergestellte Beikost) entscheidend ist. Zusammenfassend betonen diese Arbeiten die Bedeutung der Beikostphase als potentiellen Einflussfaktor für das Ernährungsverhalten über das Säuglingsalter hinaus.

 

Trends in der Kinderernährung

Die engmaschigen Untersuchungen mit einer seit 1985 unveränderten Methodik in der DONALD Studie erlauben die Abbildung von Ernährungsgewohnheiten sowohl mit dem Alter als auch im Zeitverlauf. Zwar handelt es sich beim DONALD Kollektiv nicht um eine repräsentative Stichprobe, die Genauigkeit der erhobenen Daten, z.B. Zusammensetzung von kommerziellen Beikostprodukten und anderen Fertigprodukten, erlaubt jedoch Aussagen zu Aspekten, für die in Deutschland keine repräsentativen Daten vorliegen.

 

  • In der Übergangsphase zwischen der Säuglings- und Familienernährung gab es nicht-lineare Zeittrends bei der Familienkost und Flaschenkost. Während der Anteil von Flaschenkost zwischen 2004 und 2009 bis 2006 erst ab- und dann wieder zunahm, war der Zeittrend des Anteils von Familienkost an der Ernährung gegenläufig. Der Anteil von Beikost blieb dagegen im Untersuchungszeitraum konstant.
  • Der Anteil von Vollkorngetreideprodukten von Kindern und Jugendlichen nahm in den letzten 10 Jahren ab.
  • Zwischen 1986 und 2006 nahm der Anteil der Kinder, die ein regelmäßiges Frühstück verzehrten ab (3x in 3 Tagen) und der Anteil, derer die kein Frühstück verzehrten zu. Dieser Trend hin zu  ungünstigeren Frühstücksgewohnheiten war bei Jugendlichen ausgeprägter als bei Kindern und Kleinkindern.

 

Literatur

  • Alexy U, Wicher M, Kersting M. Breakfast trends in children and adolescents: frequency and quality. Publ Health Nutr (2010) 13(11): 1795-1802
  • Alexy U, Zorn K, Kersting M. Whole Grain in Children's Diet: Intake, food sources and trends. Eur J Clin Nutr (2010) 64: 745-751
  • Foterek K, Cheng G, Kersting M, Alexy U. Gibt es einen Trend zur Fortführung der speziellen Säuglingsernährung ins Kleinkindalter? Ernährungs-Umschau 59 (2012) 442-447

 

Convenience Food in der Kinderernährung

Fertigprodukte (Convenience Food, z.B. Tiefkühl-Pizzen, Dosensuppen aber auch kommerzielle Beikostprodukte) sind fester Bestandteil moderner Ernährungsgewohnheiten. Systematische Untersuchungen zur Zusammensetzung oder möglicher Auswirkungen auf die Gesundheit fehlten bisher. Eine Auswertung von Ernährungsprotokollen von Kindern und Jugendlichen der DONALD Studie aus den Jahren 2004-200$ ergab eine hohe Verzehrshäufigkeit (mind. ein Produkt in 86 % aller 3-Tage-Protokolle), einen mit dem Alter zunehmenden Verzehr aber keinen Zeittrend im Untersuchungszeitraum. Obwohl Convenience Produkte nur mit ca. 5 % zur Zufuhr von Energie und Fett beitragen, zeigt sich bei Jungen ein moderater aber signifikanter Zusammenhang zwischen dem Verzehr energiedichter Convenience-Produkte und dem Körpergewichtsstatus.

Schon im Säuglingsalter bekommen viele DONALD Probanden erste Fertigprodukte, nämlich kommerzielle Beikostprodukte (60 % der verzehrten Beikost). Da sich insbesondere Beikost aus Gläschen geschmacklich deutlich von selbst zubereiteten Breien unterscheidet, soll in einem laufenden Projekt untersucht werden, ob sich die Art der Beikost (kommerziell vs. selbst hergestellt) kurz- und mittelfristig auf die Ernährungsgewohnheiten, insbesondere den Verzehr von Obst und Gemüse, im Kleinkind- und Vorschulalter auswirkt.

(gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW)

 

Literatur

  • Alexy U, Sichert-Hellert W, Rode T, Kersting M. Convenience Food in der Ernährung von Kindern. Ernährung (2007) 1; 396-401
  • Alexy U, Libuda L, Mersmann S, Kersting M. Convenience foods in children´s diet and association with dietary quality and body weight status. EJCN (2011) 65: 160-166
  • Alexy U, Sichert-Hellert W, Rode T, Kersting M. Convenience food in the diet of children and adolescents: consumption and composition. British Journal of Nutrition (2008) 99: 345-351

 

Kosten der Kinderernährung

Neben geschmacklichen Vorlieben oder Gewohnheiten können auch der Preis bzw. die daraus resultierenden Kosten von Lebensmitteln das Ernährungsverhalten beeinflussen. Bevölkerungsschichten mit einem niedrigen sozioökonomischen Status treten ungünstige Ernährungsgewohnheiten und Folgeerkrankungen wie Adipositas häufiger auf als in besser gestellten Bevölkerungsschichten. Ein Vergleich der Lebensmittelkosten der Optimierten Mischkost (OMK) bei verschiedenen Szenarien der Lebensmittelauswahl und der Lebensmittekosten der derzeitigen Ernährung von Kindern und Jugendlichen der DONALD Studie ergab, dass bei gleicher Lebensmittelauswahl, die Optimierte Mischkost teurer (€/1000 kcal) ist als die derzeitige Ernährung von Kindern und Jugendlichen der DONALD Studie. Dabei waren zwar der Kostenanteil für Fleisch/Wurst in der OMK geringer als in der DONALD Studie, konnten aber die höheren Kostenanteile für Obst und Gemüse, Brot und Beilagen nicht kompensieren. Wenn allerdings die Lebensmittelauswahl auf preiswerte Grundlebensmittel beschränkt wird, sinken die Kosten der OMK unter die der Lebensmittelkosten der DONALD Probanden.

 

Ein Vergleich der Lebensmittelkosten der Optimierten Mischkost mit den Regelsätzen des Arbeitslosengeldes II (HARTZ IV) zeigte, dass der Regelsatz bei einer üblichen Lebensmittelauswahl nur die Kosten im Alter von 2-3 Jahren deckt, danach entsteht eine Lücke von bis zu 2,71 €/Tag (13-14jährige Jungen). Bei einer Beschränkung auf Grundlebensmittel reduzieren sich die Lebensmittelkosten um etwa 45 %, der Regelsatz reicht bei dieser Minimierungsstrategie in allen Altersgruppen aus, um die Lebensmittelkosten der OMK zu decken. Eine empfehlungsgerechte Präventionsernährung gemäß der OMK für Kinder und Jugendlichen ist mit dem derzeitigen Regelsatz des ALG II nur bei erheblicher Einschränkung der Lebensmittelauswahl finanzierbar. Es wäre ein Thema des gesellschaftlichen Diskurses, inwieweit (Kindern aus) bedürftigen Familien eine Minimierungsstrategie für die Realisierung einer gesunden Ernährung auferlegt werden kann bzw. inwieweit auch ihnen im Sinne der sozialen Teilhabe der gelegentliche Kauf von Fertig- und Markenprodukten ermöglicht werden soll.

Eine Auswertung zu dem möglichen Zusammenhang zwischen der Energiedichte der Ernährung (kJ/g) und den Lebensmittelkosten bestätigte die aus anderen Studien bekannte positive Assoziation bei den Probanden der DONALD Studie. Allerdings konnten wir erstmals einen nicht-linearen Zusammenhang aufzeigen: Besonders bei einer Ernährung mit einer hohen Energiedichte ist eine Senkung bei einer nur geringen Zunahme der Kosten möglich.

 

Literatur

  • Alexy U, Clausen K, Köpper A, Kersting M. Wie teuert ist die Ernährung von Kindern und Jugendlichen bei verschiedenen Szenarien der Lebensmittelauswahl? Ernährungs-Umschau 59 (2012) 72-77
  • Alexy U, Kersting M. Lebensmittelkosten der Kinderernährung und HARTZ IV. Prävention 2012, 3, 72-75
  • Alexy U, Bolzenius K, Köpper A, Clausen K, Kersting M. Diet costs and energy density in the diet of German children and adolescents. EJCN (in press)

 

Expositionsschätzungen

Die detaillierte Datenerfassung in der DONALD Studie erlaubt Expositionsschätzungen mit gesundheitspolitischer Relevanz. In Kooperation mit dem Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Karlsruhe, wurden in den letzten Jahren eine Reihe von Expositionsschätzungen anhand von Ernährungsdataen von DONALD Probanden durchgeführt.

Benzol entsteht als Prozess-Kontaminante in kommerziellen Beikostprodukten aus Karotten. Die errechnete Benzenexposition durch kommerzielle Beikostprodukte für 3-12 Monate alte Säuglinge ist gering, ein gesundheitliches Risiko für Säuglinge durch Benzen erscheint unwahrscheinlich.

Furan entsteht bei der Herstellung kommerzieller Beikostprodukte oder bei der Röstung von Kaffee. Die errechnete Furanexposition durch kommerzielle Beikostprodukte für 3-12 Monate alte Säuglinge liegt über einem als unbedenklich geltenden Level und sollte reduziert werden. Eine Anlayse von Furan in Kaffeeprodukten für Jugendlichen und eine Risikoabschätzung anhand von DONALD Verzehrsdaten zeigte, dass eine Reduktion der Furangehalte in diesen Produkten wünschenswert wäre, da besonders bei den 16-18 jährigen aufgrund des höheren Verzehrs und bei den 10-12jährigen Mädchen aufgrund des geringen Körpergewichts die Furan-Exposition über einem als unbedenklich geltenden Niveau liegt.

 

Literatur

  • Lachenmeier DW, Kuballa T, Reusch H, Sproll C, Kersting M, Alexy U. Benzene in infant carrot juice: Further insight into formation mechanism and risk asessment including consumption data from the DONALD study. Food Chem Toxicol (2010) 48: 291-297
  • Waizenegger J, Winkler G, Kuballa T, Ruge W, Kersting M, Alexy U, Lachenmeier DW. Analysis and risk assessment of furan in coffee products targeted to adolescents. Food Addit Contam 2012;29(1):19-28.
  • Lachenmeier DW, Maser E, Kuballa T, Reusch H, Kersting M, Alexy U. Detailed exposure assessment of dietary furan for infants consuming commercially jarred complementary food based on data from the DONALD study. Matern Child Nutr. 2012 Jul;8(3):390-403
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